Organisiert gegen Corona-Virus und tropisches Unwetter

5. Juni 2020

Derzeit ist El Salvador nicht nur von den Bedrohungen, Folgen und Einschränkungen durch den Corona-Virus betroffen, sondern gleich zwei hintereinander folgende tropische Unwetter-Ereignisse bedrohen das Leben der Menschen in El Salvador. Das pazifische Tiefdruckgebiet Amanda brachte Ende Mai/Anfang Juni 2020 heftige Regenfälle nach El Salvador. Diesem Tiefdruckgebiet folgte am 04.06.2020 die pazifische Unwetterfront Cristobal. Beides Phänomene die normalerweise erst Ende Oktober eines Jahres auftreten. Auch wenn diese Tiefdruckgebiete sich in nördlicher Richtung begeben, gehen dadurch in El Salvador massive Regenfälle nieder. In diesem Fall ist insbesondere die Hauptstadt San Salvador betroffen. Bedroht sind aber auch die Gemeinden am Bajo Lempa. Einerseits durch die massiven Regenfälle selbst, aber zum anderen, wie immer, durch den starken Anstieg des Pegels des Río Lempa. Der Pegelanstieg erfolgt jedoch nicht nur durch die Regenfälle, sondern in bedrohlicherweise dadurch, dass das Wasserkraftwerk „15. September“ das Wasser aus der Talsperre zum Schutz der Staumauer ablassen muss. Aktuell hat man den Wasserabfluss von 500 Kubikmeter pro Sekunde auf 2.500 Kubikmeter erhöht. Dies führt zu einem heftigen Anschwellen des Wasserpegels des Río Lempa und somit zu Überschwemmungen in den Gemeinden am Bajo Lempa.

Wasserkraftwerk „15. September“ im Oberlauf des Rïo Lempa

Gegenüber der Situatuation vor 10 bis 15 Jahren, hat sich dank der Organisation der „Vereinigten Gemeinden des Bajo Lempa“ (ACUDESBAL) dahingehend verbessert, dass ein gut organisiertes Notfall-Equipo besteht. Und auch die Kommunikation mit dem Wasserkraftwerk (CEL) ist erheblich besser geworden. Dieses Notfall-Equipo hat in den letzten Jahren viel Erfahrung gesammelt und nimmt frühzeitig die Arbeit auf, um auf Überschwemmungen vorbereitet zu sein.

Verteilung von Hilfslieferungen für die Bevölkerung

Vom Direktor von ACUDESBAL, Mario, sind wir mit einem Brief vom 01.06.2020 über die aktuelle Situation am Bajo Lempa informiert worden. Nachfolgend dokumentieren wir diesen Brief (in Übersetzung):

„Liebe Freunde Lothar und Sigrid, hiermit teile ich Ihnen mit, dass aufgrund der Regenfälle die Gemeinden vom Bajo Lempa stark beeinträchtigt sind, die landwirtschaftlichen Parzellen und auch die Innenhöfen der Häuser stehen unter Wasser. Aber derzeit müssen wir keine größeren Beeinträchtigungen befürchten. Heute haben wir eine Besichtigung der kritischen Punkte des Flussufers durchgeführt und noch gegen 17.00 Uhr war die Situation normal.

am Rïo Lempa

 

in der Gemeinde „Amando López“

Vor wenigen Augenblicken hatten wir eine Versammlung mit Beamten des Katastrophenschutzes, dem CEL und dem Kommandeur der sechsten Infanteriebrigade, die in Usulután stationiert ist, die uns bestätigten, dass man um sechs Uhr nachmittags aus dem Staudamm 15 de Septiembre 500 Kubikmetern pro Sekunde ablässt. Vor wenigen Minuten wurde mit zusätzlichen offiziellen Informationen bestätigt, dass die Entladungen bei 2.500 Kubikmetern pro Sekunde liegen; es scheint, dass sie uns nicht mit Informationen versorgen, die der Wahrheit entsprechen.

Ein Problem, das gesehen werden muss, besteht darin, dass die große Notunterkunft in Jiquilisco, in den die Evakuierten aus dem Gebiet gebracht werden sollten, als Krankenhaus genutzt wird, um die von COVID 19 betroffenen Menschen zu versorgen, weshalb es außerhalb des Gebiets keinen angemessenen Ort gibt, um sich um die Flutopfer zu kümmern, falls dies notwendig wird. ACUDESBAL verhandelt mit den Regierungsbehörden über die Ausstattung der 12 Gemeinschaftsunterkünfte in der Zone. Die Ausstattung umfasst die Vorhaltung der Grundelemente wie Matten, Küchen zur Herstellung von Grundnahrungsmitteln, Desinfektionsmittel für sanitäre Einrichtungen, Basisdienste, Stühle, Tische usw.

Wir hoffen, dass das tropische Tiefdruckgebiet Amanda abklingt und dass wir nicht mit einem weiteren Überschwemmungsnotstand konfrontiert werden, da wir den anderen Pandemie-Notstand von COVID 19 haben, aber wir müssen vorbereitet sein, und bei dem Treffen, das heute Nachmittag mit den Regierungsbehörden stattfand, wurden bereits Pläne und institutionelle Aufgaben definiert. ACUDESBAL ist die Institution, die den gesamten Notfall in den Gemeinden koordinieren wird, und die Behörden stellen zur Unterstützung Transportmitteln, Basislogistik und spezialisierte Einheiten zur Rettung zur Verfügung, wenn nötig. Es wird erwartet, dass die Koordination völlig transparent sein wird, obwohl wir schon jetzt Zweifel haben, weil es keine offizielle Warnung von dem Ablass von 2.500 Kubikmetern pro Sekunde gab.

Leider sind die Dinge im Großraum San Salvador komplizierter, bis heute Nachmittag, Sonntag, den 31. Mai 2020, sind 10 Menschen aufgrund des Unwetters umgekommen [bis zum 04.06.2020 sind bereits 27 Menschen Opfer der Unwetterkatastrophe geworden], 200 Häuser wurden überflutet und tausende von Familien sind betroffen. Es zeigt sich die Verwundbarkeit des Landes aufgrund einer Reihe von Ereignissen, von einer eingestürzten Abflussrinne bis zum Einsturz von Mauern, die an Flüssen liegen, verstopfte Trinkwassersysteme, so wie es auch bei den Abwässern der Fall ist. Es ist bedauerlich, dass diese Situation seit Jahrzehnten bekannt ist und es nicht möglich war, eine strategische Investition so zu tätigen, dass der Grad der Verwundbarkeit so gering wie möglich gehalten werden konnte; am Ende sind es die ärmsten Familien, die die Konsequenzen tragen.

in San Salvador

 

Aus Informationen des Ministeriums für Umwelt und natürliche Ressourcen wissen wir, dass sich das Phänomen, das unser Land getroffen hat, sich abzuschwächen beginnt, und wir hoffen, dass sich zum Wohle der ländlichen und gefährdeten Bevölkerung sich alles wieder normalisiert.

Mit herzlichen Grüßen

Mario“

Mehr als 20 Jahre Stipendienprojekt „Eine-Welt-Gruppe Wesel“

15. November 2019

Seit 1993 unterstützt die Eine-Welt-Gruppe Wesel Jugendliche vom Bajo Lempa – El Salvador- mit Stipendien. Nach diesen vielen Jahren des Unterstützungsprojektes haben wir einen Großteil der damaligen Stipendiaten gebeten, uns zu berichten, wie sich ihr weiterer Lebensweg nach Beendigung der Schul- und Berufsausbildung entwickelt hat. Von 12 Ex-StipendiatInnen haben wir eine Rückmeldung erhalten, die wir hier auf dem Blog (in Übersetzung) publizieren. Diese Berichte ergeben einen guten Eindruck, wie durch dieses Stipendienprojekt erreicht wurde, dass junge Menschen sich eine (berufliche) Zukunft aufbauen konnten.

StipendiatInnen der 90er Jahre

Zunächst einige Erläuterungen zum eigentlichen Stipendienprojekt. Am Anfang ging es darum, dass vor allem die Jugendlichen aus der Partnergemeinde Ciudad Romero die Klassen 7, 8 und 9 im 12 km entfernten San Marcus Lempa, sowie die Abiturklassen in der Fachoberschule im 30 km entfernten Jiquilisco besuchen konnten. 1996 kamen die ersten Universitätsstipendien hinzu. Padre Ángel – ein spanischer Priester, der in der Gemeinde Nueva Esperanza lebt – wurde 1992 von Jugendlichen aus der Gemeinde Ciudad Romero angesprochen, ob er ihnen den Besuch der Klassen 7, 8 und 9 sowie den Besuch der Fachoberschule ermöglichen könnte. Darüber informierte Padre Ángel die Eine-Welt-Gruppe Wesel. Federführend (Sprecherin) bei der Anfrage war Filomena (Mena) Reyes. Mit ihr trafen sich 1993 Lothar Rauer und Sigrid Kowollik erstmalig.

Treffen mit Mena Turcios und weiteren InteressentInnen an einem Stipendium

Im Jahr 1994 fand ein gemeinsames Treffen mit den interessierten Jugendlichen der Gemeinde Ciudad Romero in Nueva Esperanza statt. Da lief das Stipendienprogramm schon 1 Jahr lang und erfolgreich. Ab 1996 war es für die Jugendlichen möglich die Klassen 7, 8 und 9 in Cuidad Romero und Nueva Esperanza zu besuchen. Die Stipendien für die Fachoberschule liefen bis zur Einrichtung einer Fachoberschule in Nueva Esperanza, dies war im Jahr 1999/2000. Die EWG-Wesel hat insgesamt 40 Jugendlichen die Schulbildung bis zum Abitur ermöglicht.

Der Weg zur Schule nach San Marcos Lempa war recht beschwerlich, 12 km Staubpiste, die während der Regenzeit zur Schlammpiste wurde. In der Regel liefen die Jugendlichen diese Strecke zu Fuss, da es kaum Mitfahrgelegenheiten gab. In der Regenzeit mussten sie oft in der Schule übernachten. In Jiquilisco wurden einfache Zimmer angemietet, da es unmöglich war jeden Tag diese 30-36 km (insgesamt 60 km) zu bewältigen.  Diese Zimmer waren sehr bescheiden. Auf der anderen Seite war es vor allem für die männlichen Jugendlichen eine ganz neue Erfahrung, Wäsche selber waschen, kochen etc.

Stipendiatinnen (Bachillerato) in der Unterkunft in Jiquilisco

Gemeindschaftsunterkunft der Jungen (Jiquilisco) – links: Nohe Reyes

Mit einem vollem Stipendium wurden 20 junge Menschen unterstützt, die Anteil der jungen Frauen war immer höher als der der jungen Männern. Hinzu kamen noch ca. 10 Teilstipendien. Die Stipendiaten der EWG Wesel kamen nicht nur aus Ciuadad Romero, sondern auch aus Nueva Esperanza, Amando López, El Presidio Liberado, El Zamoran. Studiengänge: Lehramt, Krankenschwester, MTA, Medizin, Jura, Agrarwissenschaft, Großhandelskauffrau, Tourismus, Sozialarbeit, Betriebswirtschaft. Bis auf zwei Ausnahmen haben alle ihr Studium beendet und bis auf die zwei, die nach ihrem Studium in die USA emigriert sind, haben alle eine Arbeitsstelle in ihrem Beruf. Viele von ihnen seit Jahren mit einem festen Arbeitsvertrag. Das letzte Stipendium der EWG läuft zum Ende diesen Jahres (2019) aus (ein Jugendlicher, der ein Studium zur Krankenpflegerausbildung gemacht hat).

Die Berichte von 12 Ex-StipendiatInnen:

Ex-Stipendiatin Ana-Julia Luna Argueta

Ex-Stipendiatin Filomena (Mena) Turcios Reyes

Ex-Stipendiatin Berta Núñez Guardado

Ex-Stipendiatin Maricela Flores

Ex-Stipendiatin Maritza Núñez Guardado

Ex-Stipendiatin Cersia Kerin Morales Cruz

Ex-Stipendiatin Faustina Turcios Reyes

Ex-Stipendiatin Estela Avelar

Ex-Stipendiat José Nohé Reyes Granados

Ex-Stipendiatin María Eraida Velazquez Villatoro

Ex-Stipendiatin Lilian Núñez

Ex-Stipendiat Ramiro Vásquez

Ex-Stipendiat Ramiro Vásquez

13. November 2019

Ramiro Vásquez

Mein Name ist Ramiro Vásquez, ich wurde 1980 in Torola, Morazán geboren. Meine Mutter María del Carmen Ramos war Hausfrau und mein Vater Maximiliano Vásquez war Tagelöhner in der Landwirtschaft. Anfang der 80er Jahren führte das Militär viele Operationen gegen die Landbevölkerng durch, „verbrannte Erde“ nannten sie es. Meine Eltern retteten ihr Leben, in dem sie erst mal in die Berge flohen, wo ich dann auch geboren wurde. 10 Tage nach meiner Geburt zerstörte das Militär alles, sie kamen mit Bodentruppen und mit Flugzeugen und brachten alle um, die sich nicht in Sicherheit hatten bringen können. Wir und andere versteckten uns in Höhlen, oder Schluchten und versuchten Lebensmittel zu finden, um zu überleben.

Im Dezember des Jahres 1980 kamen wir in das Flüchtlingslager Colomoncagua in Honduras, meine Mutter und ich und tausende andere. Dort lebten wir 9 Jahre. Ich konnte dort bis zur 2. Klasse die Schule besuchen. Während dieser Zeit ging der Bürgerkrieg in El Salvador weiter, auf der einen Seite das Militär und die Regierung und auf der anderen Seite die Guerilla – FMLN, die für Gerechtigkeit in der Landfrage, Demokratie, Menschenrechte etc. kämpfte.

Im Jahr 1992 wurde der Friedensvertrag unterzeichnet und meine Mutter und ich und viele andere kamen in die Gemeinde Segundo Montes – Morazán, wo ich bis zur 8. Klasse die Schule besuchte.

1998 gab es große Probleme mit meinem Stiefvater (mein Vater kam während des Krieges ums Leben). Ich ging zu meinen Großeltern, die am Bajo Lempa in der Gemeinde Octavio Ortiz lebten. Ich besuchte die 9. Klasse in Nueva Esperanza und anschließend die Fachoberschule (Instituto) in Nueva Esperanza. Der Besuch der Schulen war durch den kostenlosen Schultransport, der von verschiedenen Solidaritätsgruppen aus Spanien und Deutschland finanziert wurde, möglich. Im Jahr 2001 konnte ich mein Studium der Agrarwissenschaft dank der finanziellen Unterstützung der Einen-Welt-Gruppe Wesel beginnen und auch erfolgreich beenden. Danach arbeitete ich bis heute in der Organisation ACUDESBAL am Bajo Lempa. Zwischendurch hatte ich die Möglichkeit durch die britische Hilforganisation Practical Accion in Peru und Bolivien zu arbeiten. Nach einem Jahr kehrte ich nach El Salvador zurück und arbeitete zwei Jahre für den salvadorianischen Staat und danach 2015-2016 arbeitete ich als Berater.

Ramiro 2010 in Peru

Ich habe noch 5 Brüder, keiner von ihnen hatte die Möglichkeit zu studieren, alle beendeteten die Schule nach der 9. Klasse.

Ich bin verheiratet und habe 3 Töchter und wir leben am Bajo Lempa. Bis heute haben wir uns noch nicht entschieden zu emigrieren, denn meine Überzeugung ist, meine Kenntnisse den verschiedenen Gemeinden zukommen zu lassen, obwohl ich zur Zeit keine bezahlte Arbeit habe, aber meine Ausbildung hatte mir erlaubt verschiedene Arbeitsmöglichkeiten anzunehmen. Es ist auch notwendig sich weiter fortzubilden und im landwirtschaftlichen Bereich zu arbeiten.

Zur Zeit beteilige ich mich in der Koordination der Gemeinden und in der Ausführung von verschiedenen Freizeitaktivitäten, um damit den Jugendlichen wie auch den Erwachsenen Alternativen in der Freizeitgestaltung an zubieten. Ein weiteres persönliches Projekt ist die audiovisuelle Aufarbeitung und Bewahrung unserer Geschichte (vor, während und nach dem Bürgerkrieg, vor allem das Projekt der Stipendien, Schulbildung von Padre Ángel) um dies an die jetzigen und künftigen Generationen weiter zu geben.

Ex-Stipendiatin Maricela Flores

13. November 2019

Maricela Flores

Mein Name ist Maricela Flores, ich bin 29 Jahre alt (2017). Geboren bin ich in Nicarugua und habe dort bis 2001 gelebt. Ich habe noch 5 weitere Geschwister. 1996 erkrankte meine Mutter an einer bipoloren affektiven Störung. Meine Eltern betrieben ein kleines Geschäft, das auf Grund der Erkrankung nicht weitergeführt werden konnte. Mein Vater kümmerte sich um meine Mutter und um uns Kinder. Er konnte nur noch gelegentlich arbeiten gehen, so dass wir nur sehr wenig Einkünfte hatten.

Im Jahr 2001 besuchte uns ein Bruder meines Vater, der in Nueva Esperanza lebt. Er bot meinem Vater an nach Nueva Esperanza zu kommen, um dort zu arbeiten. Desweiteren war er bereit, eines von uns Kindern bei sich auf zu nehmen, um weiter in die Schule gehen zu können. Meine Familie entschied, dass ich mitgehen soll. Ich hatte die die 9. Klasse beendet und konnte dann in Nueva Esperanza das Instituto (Fachoberschule) besuchen. Padre Ángel, der Koordinator für das Stipendienprojekt am Bajo Lempa, bat um unsere Noten. Er kam dann mit der Nachricht, dass es auf Grund meiner sehr guten Noten ein komplettes Stipendium gäbe und das 3 Finanziers zur Auswahl zur Verfügung ständen. Einmal die Gruppe in Wesel, dann ein Freund von Padre Ángel und an die 3. erinnere ich mich nicht mehr. Da ich Lothar und Sigrid von der Gruppe in Wesel kannte, entschied ich mich von ihnen das Stipendium zu erhalten.

Maricela Versammlung mit Padre Ángel

Ich studierte an einer privaten Universität in El Salvdor öffentliches Rechnungswesen und habe mein Studium im März 2011 dank der Hilfe der Gruppe in Wesel mit der Erlangung des Titels der Licenciatura als öffentliche Buchhalterin beendet.

An einer Universität zu studieren war für mich eine nicht zu vergessene Erfahrung. Zum einen, weil ich mich in einer Berufsausbildung befand, um dann in ein Berufsleben einzutreten. Zum anderen, weil ich darüber Kontakt zu verschiedenen Personen unterschiedlicher Charaktere und Persönlichkeiten erhielt, was meinen persönlichen Horizont erweitert hat.

Maricela mit Sohn

Nach dem Universitätsstudium kommt der Moment, wo man eine Arbeit suchen muss (eines der schwierigsten Dinge).

Gott sei Dank konnte ich bereits im Januar 2011 im Instituto der Gemeinde Nueva Esperanza einige Stunden Unterricht in Buchhaltung an die SchülerInnen des Bachilleratos erteilen, was auch von der Gruppe in Wesel finanziert wurde. Im August 2011 fand ich eine Halbtagsstelle auf der anderen Seite des Bajo Lempa (San Carlos Lempa), wo ich für die Buchführung verantwortlich war. Dies war zunächst ein Vertrag bis Dezember 2011, aber dann hat man diesen für das gesamte Jahr 2012 verlängert. Die Organisation für die ich arbeitete besteht aus kleinen Produzenten die organisch angebaute Cashew-Kerne nach Europa (Frankreich und Großbritannien) exportieren, aber mit einer Finanzierung der Kunden, was heißt, dass diese die Produktion vorfinanzieren.

Maricela nach Beendigung des Studiums

Beide Arbeiten habe ich nicht mehr, aber im Juli 2011 begann ich für Flüchtlingshilfe Mittelamerika halbtags zu arbeiten (Verwaltung der Projekte der Flüchtlingshilfe) und seit 2015 arbeite ich Vollzeit für die Flüchtlingshilfe Mittelamerika in Zusammenarbeit mit Acudesbal. Es sind verschiedene Projekte wie z.B. Lohnfonds für die LehrerInnen die nicht von der Regierung bezahlt werden, die Gesundheitsmitarbeiterinnen in den kleinen Gesundheitsposten sowie den Bibliothekarinnen in Nueva Esperanza und Amando López und auch der finanzielle Unterstützung für einige der Kitas; hinzu kommen Hausbauprojekte u. Verschiedenes mehr. Ich kümmere mich um die finanzielle Verwaltung der Projekte, Buchführung und Abrechnungen und Berichte an die Projektpartner.

Maricela Dezember 2016

Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder und lebe inzwischen in Zacateculuca. (30km entfernt)

Ex-Stipendiatin Lilian Núñez

13. November 2019

Lilian Núñez

Mein Name ist Lilian Núñez. Ich habe mehrere Jahre in Kuba Medizin studiert.. Ich wurde 1985 im Exil in Nicaragua als letztes und jüngstes Geschwisterkind von insgesamt 11 Kindern geboren. 1991 kam ich mit meinen Eltern, Geschwistern und allen anderen Menschen, die in Nicaragua in Gemeinschaft gelebt hatten, am Bajo Lempa an und es wurde die Gemeinde NUEVA ESPERANZA gegründet.

Nach der Vorschule, der Primar- und Sekundarstufe besuchte ich in Nueva Esperanza das Instituto. Ich war in fast allen Klassen die beste Schülerin und schloss daher das Bachillerato auch mit der Bestnote ab. Schon immer habe ich mir Gedanken über meine Zukunft gemacht und davon geträumt, Medizin studieren zu können. Dank der Solidarität, über die ich ein Stipendium erhalten habe, war dies möglich.

Lilian Núñez (Schülerin)

Mein Medizinstudium habe ich am 14.7.2011 in Kuba beendet, die Graduierung fand am 22. Juli 2011 statt. Im August 2011 kehrte ich nach El Salvador zurück und musste mich darum bemühen, dass mein abgeschlossenes Studium auch in El Salvador anerkannt wird, um daran anschließend das Soziale Jahr zu absolvieren, das ich am 03. Januar 2012 begann. Bis zu diesem Zeitpunkt musste ich mich einem Auswahl- und Prüfungsverfahren stellen, dass am 13.12.2011 mit einer Prüfung abschloss. Gleichzeitig brachte ich mich in gemeindliche Aktivitäten bei ACUDESBAL und in der Gemeinde Nueva Esperanza nach den damaligen Überschwemmungen ein. Mein Soziales Jahr schloss ich erfolgreich ab und erhielt meine offizielle Anerkennung als Ärztin und bin berechtigt meinen Beruf auszuüben.

In meinem Sozialen Jahr arbeitete ich in der Gesundheitsstation von Nuevo Amanecer. Dort war ich für die Menschen der Gemeinden Nueva Esperanza, Ciudad Romero, Nuevo Amanecer, El Zamoran, Los Sembradores, El Cedro, Mata de Piña, La Papalota zuständig. Die Bereiche umfassten die Allgemeinmedizin und ich arbeitete auch in den Gemeinden zur Unterstützung der Gesundheitsvorsorge. Hierzu besuchte ich Familien, führte Gespräche in Bildungsveranstaltungen, beteiligte mich an Kampagnen gegen das Dengue-Fieber, etc.

Nach meinem Sozialen Jahr wurde mir der Posten als Direktorin in der neuen Tagesklinik in Ciudad Romero angeboten, den ich auch annahm. Ich arbeitete dort bis August 2014 und musste dann auf Grund von Drohungen nicht nur meine Arbeitsstelle aufgeben, sondern auch das Land verlassen.

Ich lebe mit meinem Mann und meinen zwei Kindern in Guatemala. Damit ich als Ärztin in Guatemala arbeiten kann, muss ich nochmals ein Soziales Jahr ableisten, damit mein Titel anerkannt wird. Das erste halbe Jahr arbeitete ich in einem Krankenhaus, nun arbeite ich in einer Tagesklinik. Um dort hin zu kommen muss ich 2 ½ bis 3 Stunden mit dem Bus fahren und mehrmals umsteigen. Während des Sozialen Jahres erhalte ich kein Gehalt. Ich hoffe, dass ich nach Beendigung des Sozialen Jahres Ende Juli 2017 eine Arbeittsstelle als Ärztin finde.

Ex-Stipendiatin Berta Núñez Guardado

13. November 2019

Berta Núñez Guardado

Ich heiße Berta Alicia Núñez Guardado. Ich habe noch 5 weitere Geschwister. Meine Eltern verstarben vor einigen Jahren an der chronischen Niereninsuffienz, die am Bajo
Lempa ein großes Problem darstellt.

Bereits als kleines Kind musste ich meinen Geburtsort aufgrund der Verfolgung der Zivilbevölkerung in jenen Zeiten verlassen. Wir flüchteten in die Hauptstadt in eine Notunterkunft und später ins Exil ins Nachbarland Nicaragua.

Nach etwa 10 Jahren entschlossen wir uns nach El Salvador zurück zu kehren, um wieder ein normales Leben führen zu können. Folglich mussten wir unsere Schulbildung fortsetzen. Daher baten wir Padre Ángel um Hilfe und er setzte sich dafür ein, dass es möglich war, dass wir im Instituto in Jiquilisco unser Bachillerato (Abitur) machen konnten, das ich nach 3 Jahren erfolgreich bestand. Gott sei Dank entwickelte sich alles mit der Zeit und es war der Beginn eines nachhaltigen Stipendienprojekts, mit Unterstützung der Freunde und Freundinnen aus Deutschland und Spanien, die in die gute Verwaltung dieses Projektes durch Padre Ángel vertrauten und in uns Jugendlichen, die diese Träume hatten und alle Anstrengungen unternahmen, um eine bessere soziale und persönliche Perspektive zu erlangen.

Berta (re) bei einer Versammlung der StipendiatInnen

Ich studierte an der Universität General Gerardo Barrios Sozialwissenschaften und arbeitete als Lehrerin in der Schule der Gemeinde Nueva Esperanza ohne Bezahlung. Ich absolvierte das Examen und schloss mein Studium als ausgebildete Lehrerin ab. Von einer NGO erhielt ich eine kleine finanzielle Unterstützung, damit ich studieren konnte. Ich studierte am Wochenende und während der Woche unterrichtete ich in Nueva Esperanza ohne Bezahlung. Anschließend hatte ich dann die Möglichkeit mein Studium mit dem Licenciatura zu erweiteren und somit eine umfangreichere Ausbildung zu erhalten. Dieses Stipendium erhielt ich durch die Eine Welt Gruppe Wesel und schloss mein Studium 2001 erfolgreich ab.

Berta mit Familie

Danach arbeitete ich 15 Jahre als Lehrerin mit einer festen Stelle durch das Bildungsministerium in der Gemeinde Mata de Piña, ebenfalls am Bajo Lempa gelegen. Ich war sehr zufrieden mit meiner Arbeit, da meine Träume sich verwirklicht hatten und ich war da tätig, wo man mich benötigt, in einer Gemeinde mit Menschen mit geringem Bildungsstand und mit großen familiären Problemen, wo ich mich mit viel Engagement eingebracht habe und wo ich alles das gab, was ich geben konnte, damit die heranwachsenden Mädchen und Jungen aus der Unwissenheit herauskommen können, mit einer Bildung, die es ihnen erlaubt, sich in den die Gemeinschaft als gleichwertige Person einzubringen.

Aufgrund der unsicheren Situation am Bajo Lempa wechselte ich zum Schuljahresbeginn 2017 an eine Schule in San Salvador. Auch in dieser Schule arbeite ich mit Kindern, die aus sehr armen Verhältnissen stammen und wo auch Gewalt in einigen Familien herrscht, wie auch in einigen der Familien am Bajo Lempa. Ich unterrichte eine 6. Klasse und die Schulleiterin ist sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder und lebe jetzt in San Salvador. Bis Ende 2016 lebte ich mit meinen Kindern in Nueva Esperanza und konnte nur am Wochenende und in den Ferien in San Salvador bei meinem Mann sein. Ich bedanke mich noch nmal für die Unterstützung, ohne dem wäre ein Studium nicht möglich gewesen.

Berta mit ihren beiden Kindern

Ex-Stipendiatin Filomena (Mena) Turcios Reyes

13. November 2019

Santon Filomena Turcios Reyes

Ich möchte euch erzählen wie mein Leben aufgrund dessen, dass man mir die Möglichkeit dank eines Stipendiums zu einer Berufsausbildung gab, eine vollkommen andere Richtung bekommen hat. Hierfür bin ich zutiefst dankbar, denn ohne ein solches Stipendium hätte ich kaum eine solche Möglichkeit gehabt, wenn es nicht sogar vollkommen unmöglich gewesen wäre. Mein Dank an alle die Personen, die gemeinsam Anstrengungen unternommen haben, um vielen Jugendlichen unserer Gemeinden die Möglichkeit zu einer Berufsausbildung zu geben und um somit ihre Lebensperspektive zu verbessern, um etwas zur der Entwicklung unseres Landes beitragen zu können.

Mein Name ist Santos Filomena Turcios Reyes. Ich bin 1973 geboren und wuchs bis zu meinem 7. Lebensjahr in einem sehr kleinen Dorf El Corralito, Provinz La Union auf. Zusammen mit meinen 7 Geschwistern, meinen Eltern und weiteren Menschen des Dorfes flohen wir 1980 vor den Repressalien der Regierung und der Armee nach Honduras. Dort verbrachten wir unter sehr schwierigen Bedingungen mit ca. 100 Menschen die nächsten 6 Monate. Es gab keine Unterkünfte, kein Strom, Wasser aus dem Fluss etc. In dieser Zeit starb mein Vater, da es für seine Krankheit keinerlei ärztliche Versorgung gab. Durch General Omar Torrijos aus Panamá, der uns besuchte, erhielten wir in Panamá Asyl. Wir lebten dort 10 Jahre in einer sehr abgeschiedenen und sehr regenreichen Gegend. Unser Dorf benannten wir nach dem Erzbischof Oscar Romero. Wir waren bei unserer Ankunft 365 Personen. Die nächste Stadt Colón war nur mit einem Boot mit 10-12 Stunden Fahrt zu erreichen. Für die Kinder gab es bis zur 6. Klasse eine Schule. Die Lehrer wurden vom Staat Panamá bezahlt. Ich ging danach bis zur 8. Klasse mit 3 weiteren Mädchen zur Schule und zwar in ein Internat, das von Nonnen geleitet wurde in Colon. Wir konnten nur zum Ende des Schuljahres, d.h. einmal im Jahr, nach Hause.

in der Schule von Ciudad Romero

1990 bereiteten wir uns auf unsere Rückkehr nach El Salvador vor, wo wir 1991 am Bajo Lempa ankamen. Eine Schule gab es nicht, aber wir Älteren unterrichteten die jüngeren Kinder unter Bäumen. Ab 1993 hatten wir ein Geäude aus Holz, wo der Unterricht bis zur 6. Klasse stattfand. Wir älteren Jugendlichen baten Padre Ángel aus Nueva Esperanza um Hilfe, damit wir die Klassen 7, 8, 9 und die Fachoberschule besuchen konnten. Erstmalig trafen wir uns 1993 mit Vertretern der Einen Welt Gruppe Wesel, (Lothar Rauer und Sigrid Kowollik) denen wir unser Anliegen vortrugen.

Dank Padre Ángel und der Einen Welt Gruppe hatte ich und auch viele andere die Möglichkeit die Schulausbildung zu beenden und zu studieren. Ich studierte am Wocheneende in Usulután (60km entfernt) Lehramt. Während der Woche unterrichtete ich eine 3. Klasse in Ciudad Romero. Für meine Arbeit in der Schule bekam ich von einer Solidaritätsgruppe ca. 60 Dollar im Monat. Im letzten Studienjahr veränderte sich das, da ich nun jeden Tag an der Uni sein musste und nicht mehr unterrichten konnte. Ich schloss erfolgreich mein Studium ab.  Ins Berufsleben trat ich im Jahr 2001 ein und im Januar 2003 erhielt ich beim Bildungsministerium eine Stelle als Vertretungslehrerin im Schulzentrum in Puerto de La Libertad in der Provinz La Libertad. Im Jahr 2004 erhielt ich einen Arbeitsvertrag von EDUCO in einem anderen Schulzentrum in der gleichen Region. Von 2007 bis 2016 arbeite ich dort als Direktorin. Da nach 10 Jahren die Schulleiter ausgetauscht werden, arbeite ich jetzt an dieser Schule wieder als Lehrerin und gebe Unterricht in den Klassen 6, 7, 8 und 9. Meine Fächer sind Mathematik, Naturwissenschaft, Sport und Kunst.

 

zu Besuch bei Mena und ihrer Familie im Dezember 2016

 

Ich wohne in Santa Tecla und mein Weg zur Arbeitsstelle dauert eine Stunde mit dem Bus. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.

Ex-Stipendiatin Ana-Julia Luna Argueta

13. November 2019

Ana Julia Argueta

Mein Name ist Ana-Julia Luna Argueta. Geboren wurde ich im Mai 1982 im Cantón La Guacamaya, im Bezirk von Meanguera in Morazán. Mein Vater war in der Guerrila und meine Mutter und meine beiden Geschwistern und ich waren allein. Wir flohen regelmäßig vor den Soladaten in die Berge und versteckten uns in Höhlen und hinter großen Steinen des Flusses Sapo um den Bombadierungen und Hausdurchsuchungen zu entgehen.

Als meine schwangere Großmutter mit ihren zwei kleinen Kindern von Soldaten erschossen wurde, entschied mein Vater, dass meine Mutter und wir Kinder ins Exil flüchten sollen, da es einerseits nicht genug zum Essen gab und andererseits wir von den Soldaten entdeckt und umgebracht würden. Eine Gruppe von Frauen, unter anderem auch meine Mutter, verließen den Cantón und flohen an die Grenze zu Honduras. Dort blieben wir 5 Tage und anschließend überquerten wir die Grenze.

Versammlung mit den StipendiatInnen (2. v.li: Ana Julia)

Wir lebten zuerst in einem Flüchtlingslager und wurden dann 1984 in ein anderes Flüchtlingslager gebracht. Ich ging dort in eine Kindertagesstätte, weil meine Mutter in einer Klinik im Lager arbeitete. Sie war die Verantwortliche in der Klinik für dieses Lager und arbeitete als Hebamme und in anderen Bereichen. Dies war eine Inspiration für mich Medizin zu studieren. Meine Kindheit erlebte ich sehr glücklich, wir spielten, gingen zur Schule, besuchten die Bibelstunden sangen im Kirchenchor und lernten zu nähen, zu sticken und andere Sachen. Es wurde versucht, das Leben so normal wie möglich weiter zu führen.

Für uns Kinder war klar das wir das Lager nicht verlassen durften. Wir lebten eingesperrt und wer von den Erwachsenen außerhalb des Lagers aufgegriffen wurde, hatte mit Schlägen, Verhaftungen zu rechnen, egal ob es Männer, Frauen oder Jugendliche waren. Bewacht wurden wir vom hondaranischen Militär.

Als ich 11 Jahre alt war verließen wir das Lager und kehrten nach El Salvador zurück, zunächst in ein Flüchtlingslager im Norden von El Salvador in der Provinz Morazán. Nach 6 Monaten gingen wir zum Bajo Lempa und gründeten die Gemeinde Amando López. Dort konnte ich weiter zur Schule gehen und besuchte auch die Schule in Nueva Esperanza. Im Jahr 2000 konnte ich dann mit der Unterstützung der Einen-Welt-Gruppe Wesel meinen Traum verwirklichen und Medizin studieren. Im Jahr 2008 schloss ich mein Studium sehr erfolgreich ab und konnte im Gesundheitsposten in Nueva Amanacer (Bajo Lempa) arbeiten.

Ana Julia als Ärztin (2. v.li)

Ab 2009 wurde ich vom Gesundheitsministeerium bezahlt. Ich arbeitete in Nueva Amanacer bis zum Jahr 2011. Seitdem arbeite ich als Koordinadorin für das Gesundheitsministerium in den Bereichen Mutterschaft und Kindheit etc. in den verschiedenen Provinzen: Morazán, San Miguel, La Unión und Usulután. Ich bin zuständig für Fortbildungen, technische Unterstützung, Supervision und Monitorin. In erster Linie geht es dabei darum, die Rate der Müttersterblichkeit zu senken, was uns auch gelungen ist. Ich hoffe dass ich Ende diesen Jahres (2017) wieder mehr als Ärztin direkt mit den Patienten arbeiten kann.

Mein Leben hat sich durch das Studium sehr verändert nicht nur ökonomisch, sondern auch mein Wissen wurde durch meine Arbeit erweitert. Ich habe eine Stelle beim Ministerium. Was ich aber nie vergessen werde, ist, wo meine Wurzeln sind, wo ich herkomme und wer mir geholfen hat zu studieren, um als Ärztin zu arbeiten. Deshalb kämpfe ich auch darum, die Administration zu verlassen und wieder praktisch zu arbeiten.

Ex-Stipendiatin María Eraida Velazquez Villatoro

13. November 2019

María Eraida Velazquez Villatoro

Mein Name ist María Eraida Velazquez Villatoro. Meine Eltern flüchteten 1980, wie viele andere Menschen auch, vor den Repressalien der Armee und des Staates nach Panamá, wo ich 1985 geboren wurde. Ich habe noch 8 weitere Geschwister, von denen 4 in den USA leben und drei mit mir in Panamá und zwei weiterhin in Ciuadad Romero. Die Vorschule besuchte ich noch in Panamá, 1990 kehrten wir nach El Salvador zurück und sieldeten uns am Bajo Lempa an und gründeten das Dorf Ciudad Romero. Dort besuchte ich die Schule und anschließend die Fachoberschule (Instituto) in Nueva Esperanza. Anschließend hatte ich dank der finanziellen Unterstützung der EWG Wesel die Möglichkeit zu studieren.

in den 90er Jahren (Eraida li. mit Schwester Norma re.)

Ich freue mich, etwas über mein Leben erzählen zu können, wie es so nach Beendigung meines Studiums verlaufen ist, dass ich mit der Hilfe der Einen-Welt-Gruppe Wesel und verschiedener Personen, die ich nicht kenne, aber bei denen ich mich ebenfalls bedanken möchte, absolvieren konnte, denn ohne diese Hilfe wäre dies nicht möglich gewesen.

Eraida bei ihrer Arbeit

Ich, María Eraida Velasquez Villatoro, begann mit meinem Studium zu einer klinischen Laborantin im Jahr 2004, dass ich am 4. Dezember 2009 erfolgreich beendete. In dieser Zeit wirkte ich an einer Untersuchung mit, die für den Bajo Lempa von Usulután eine große Bedeutung hatte. Dieses Projekt wurde unter dem Namen Nefrolempa bekannt und wir widmeten uns der Untersuchung über Nierenerkrankungen in fünf Gemeinden des Bajo Lempa, Nueva Esperanza, Ciudad Romero, El Zamorán, Sisiguayo und der Gemeinde Octavio Ortíz. In diese Studie wurden Männer und Frauen einbezogen, die das 18. Lebensjahr überschritten hatten. Die Arbeitstage waren sehr lang. Wir wurden in unserer Arbeit von ärztlichen Spezialisten aus Havanna, Kuba, und später auch von MINSAL (salvadorianisches Gesundheitsministerium) unterstützt. Diese Maßnahmen waren notwendig, um festzustellen, was die Ursachen der Krankheit ist und um der an dieser Krankheit leidenden Bevölkerung zu helfen, damit sie bessere Lebensbedingungen erhalten, durch Hilfe von Ärzten, Krankenschwestern und Psychologin (Guadalupe Núñez, eine Exstipendiantin und Tochter von Soledad), Ernährungsberaterin, Gesundheitserzieherin und einer MTA, die ich bin.

Eraida mit Sohn Eder

Seit dieser Zeit arbeiten wir in den Gemeinden des Bajo Lempa von Usulután mit der Bevölkerung und unser Wirkungskreis verbreitert sich immer mehr, so dass wir heute mit den Gemeinden im Süden von Usulután, Tierra Blanca, arbeiten. Mein Arbeitsbereich umfasste alle Gesundheitseinheiten der Zone, wie die Gesundheitseinheit für Nierenerkrankungen, der Einheit der Gesundheitsversorgung in La Canoa, der Einheit in Nuevo Amanecer, in Sisiguayo. Da wir über keine Infrastruktur verfügten, waren wir in der ehemaligen Gesundheitsstation in Nueva Esperanza untergebracht, so dass wir uns in die einzelnen Gemeinden begeben mussten. Somit musste ich in die Dörfer fahren, wo ich in den Gesundheitsposten die Proben nahm, wodurch ich vermeidete, dass die Bevölkerung bis nach Usulután oder Jiquilisco reisen musste. Die Proben untersuchtte ich im Laboratorium des Gesundheitspostens in Tierra Blanca. Dies war ein Teil der Arbeit, die ich täglich machte und ich bin stolz darauf, dass ich somit den Gemeinden dienen konnte.

2013 wurde die Tagesklinik – Unidad de Salud in Ciudad Romero eröffnet, dort arbeitete ich als MTA bis Juni 2015. Aus persönlichen Gründen zog ich mit meinem Sohn zurück nach Panamá. Da mein Titel als MTA in Panamá anerkannt wurde arbeite ich als MTA in einem privaten Labor. Mein Ziel ist es in einem staatlichen Krankenhaus als MTA zu arbeiten. Ich bin zufrieden mit dem, was ich bisher erreicht habe, auch wenn noch vieles gemacht werden muss.

Ein Dankeschön für alles.

Ex-Stipendiat José Nohé Reyes Granados

13. November 2019

José Nohé Reyes Granados

Mein Name ist José Nohé Reyes Granados, ich bin das 10. von insgesamt 13 Kindern. Meine Eltern und wir Kinder lebten im Exil in Panamá, 1991 kehrten wir nach El Salvador zurück.

Dank der finanziellen Unterstützung der Einen Welt Gruppe Wesel konnte ich die Fachoberschule (Instituto) in Jiquilisco besuchen und anschließend Jura studieren. Ich war Abgeordeneter im Landesparlament und arbeite weiterhin für die Landesregierung in drei Bereichen: öffentliche Ordnung und Bekämpfung des Drogenhandels, nationale Verteidigung und Justiz und Menschenrechte. Angesichts der vielen Gewalt in meinem Land ist dies keine leichte Arbeit und sie erfordert viel Kraft.

Nohé (mit Gitarre)

Meine Familie hat inzwischen das Land verlassen und ich lebe auch seit einigen Monaten nicht mehr in Ciudad Romero. Ich versuche aber immer am Wochenende dort zu sein und auch innerhalb der Woche sofern es mir möglich ist. Ich bin auch immer noch im landwirtschaftlichen Bereich tätig.

Nohé (2. v.re.)

Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder.


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