Einschätzungen zu den Wahlen (März 2018)

1. Mai 2018

Kurz nach den Parlaments- und Gemeindewahlen am 04.03.2018 hat der Direktor von ACUDESBAL (Asociación Intercomunal de Comunidades unidas para el Desarrollo Económico y Social del Bajo Lempa) José Santos Guevara (Mario) am 05.03.2018 eine Einschätzung zu diesen Wahlen abgegeben. Etwas (sehr) verspätet dokumentieren wir hier diese (vorläufige) Wahlanalyse von Mario. Über den nachfolgenden Link kann die Übersetzung dieser Wahleinschätzung als PDF-Datei heruntergeladen werden. Hintergrund ist, dass ein massiver Stimmenverlust der linken Regierungspartei Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) bei den Gemeinde- und Parlamentswahlen in El Salvador zu einer fast uneingeschränkten Dominanz der Rechten, besonders der früheren Regierungspartei ARENA, geführt hat.

Wahleinschätzung 2018

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Brief Padre Angel – April 2018

21. April 2018

Hallo Freunde und Freundinnen von Nueva Esperanza am Bajo Lempa. Obwohl ich das Medium der e-mails nicht mehr so nutze, habe ich mich entschieden euch darüber heute eine Information zu übersenden.

Der Grund ist, dass uns am kommenden Samstag, den 21. April, der aktuelle Präsident der Republik besuchen wird, zusammen mit einigen seiner Minister und Verantwortlichen des Staatsapparates. Dieser Besuch findet im Rahmen des präsidenzialen samstäglichen Programms statt, an denen sich das Personal des Präsidenten mit Mitgliedern verschiedener Gemeinden trifft, um konkret bestehende Probleme zu erörtern und zu versuchen, hier Lösungen zu finden. Es geht jeweils um folgende Bereiche: Bildung, Gesundheit und Öffentliche Arbeiten, im Konkreten um die Verbesserung der Wege und Straße der Zone.

An dieser Stelle möchte ich nicht darauf eingehen, welche Dinge angesprochen werden, sondern mich auf die Vorbereitungen dieser große Veranstaltung mit dem Präsidenten der Republik beschränken. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, wenn ich diesen Brief erst nach der Veranstaltung geschrieben hätte. Aber hinsichtlich derjenigen die uns aus der Distanz verfolgen, dachte ich mir, ist es besser, jetzt schon etwas zu schreiben.

Warum? Dieser Besuch ist kurzfristig nach den Wahlen der Abgeordneten und der Bürgermeister  vor einem Monat, Anfang März, geplant worden. Und was ist hier bei uns geschehen am Bajo Lempa? Nun, erstmalig nach 18 Jahren ist nicht der Bürgermeister der FMLN gewählt worden. In anderen Bereichen der Gemeinde, die die zweitgrößte des Landes ist, und wo es eine umfangreiche und variationsreiche Lebensmittelproduktion gibt, war immer versucht worden, eine andere Parteienmehrheit im Rathaus zu erlangen, was jedoch aufgrund des Wahlverhaltens der Menschen vom Bajo Lempa nicht gelungen ist, die durchgängig ihre Stimme der FMLN gegeben haben. Bis jetzt. Bei diesen letzten Wahlen sind viele Menschen des Bajo Lempa nicht zur Wahl gegangen. Was zur Folge hatte, dass der bisherige Bürgermeister seine Mehrheit verloren hat, die er sechs Wahlen zuvor, ununterbrochen über 18 Jahre lang, halten konnte.Und dieses Ergebnis war eine Überraschung für die Zentralregierung und die Leitung der FMLN.

Ich werde hierzu nicht auf Einzelheiten eingehen. Es ist jedoch zu erwähnen, dass von den mehr als fünf tausend Stimmen aus unserer Zone die Mehrheit die FMLN gewählt hat und dies eine stabile Grundlage für den Bürgermeister gegenüber den Stimmen in anderen Gebieten der Landgemeinde war. Bei dieser letzten Wahl waren es etwa 800 Stimmen zugunsten der FMLN. Was einem Verlust von etwa 4.000 Stimmen entspricht. Dies reichte aus, um zu diesem Debakel zu führen. Warum? Weil wir alle von dem aktuellen Bürgermeister genug hatten und den Oberen der Regierung und der Partei, die nicht bereit waren, auf unsere Probleme einzugehen. So passierte es von Wahl zu Wahl, bis das ganze Haus in sich zusammengefallen ist.

Ich steige nicht tiefer in eine Analyse, die zu diesem Ergebnis geführt hat, ein. Wir werden sehen, was die neue und erstmalige Bürgermeisterin unserer Gemeindeverwaltung machen wird. Zunächst hat sie uns mit einem Teil ihres Personals besucht, die ihr Amt am 1. Mai aufnehmen wird, um sich mit einigen von uns auszutauschen, woran ich, aufgrund der Bitte der Menschen aus unseren Gemeinden die dieses Treffen organisiert haben, ebenfalls teilgenommen habe.

Und jetzt steht der Besuch aus dem Präsidentenhaus unter Leitung des Präsidenten und eines Teils seiner Regierung an, etwas unverhofft, wenn nicht der Bürgermeister der FMLN sein Amt durch die Wahlen verloren hätte, dessen Wahlzeit noch bis zum 01. Mai andauert.

Wie ihr merkt, schreibe ich etwas verschlüsselt über die lokale Politik. Hierzu muss ich anmerken, dass, wenn man sehr aktiv in unserer Zone ist, ohne dass man zur Gemeindeverwaltung gehört, es nicht ratsam ist zu sehr ins Detail zu gehen und vorsichtig zu sein, denn ich habe den Eindruck, dass wir ausspioniert werden. Und mich kennen Menschen und Institutionen in unserem Land, die ich nicht kenne, sicherlich weil sie wissen wollen, was am Bajo Lempa geschieht und dies dürfte im Zusammenhang mit den durchgeführten Arbeiten in den vergangenen und aktuellen Jahren  stehen, wie dem seit 25 Jahren ununterbrochen funktionierenden kostenfreien Transport zur Schule und zum Gymnasium in Nueva Esperanza, so wie zu einigen anderen Schulzentren, die in anderen Orten der Zone liegen.

Soweit für heute. Eine innige Umarmung und wir werden sehen, wie die Dinge in den nächsten Tagen verlaufen.

Angel Arnaíz

Rundbrief Padre Angel vom 23.10.2017

31. Oktober 2017

Nachfolgend die Übersetzung des Rundbriefes von Padre Ángel aus Nueva Esperanza vom 23. Oktober 2017.

Nueva Esperanza, El Salvador, 23. Oktober 2017

Liebe Freundinnen und Freunde,
ich wollte euch hiermit einen Brief über den Schultransport an unserem Bajo Lempa von Usulután vor dem Ende des Schuljahres übersenden, welches in der 2. Monatshälfte des November endet. Dies fällt mit dem Besuch des Bildungsministers und einer Gruppe seiner Mitarbeiter zusammen, der stattfindet, um zu versuchen, einige offene Fragen im Bildungsbereich der Zone zu lösen. Daher schicke ich euch einen Brief mit einem erweiterten Inhalt, der auch dazu dient, dass ihr einiges darüber von hier erfahrt. Danke für euer Interesse.

Versammlung mit dem Bildungsminister und seinem Equipo. Ansprache des Ministers.

Zu dieser Veranstaltung kamen Mitglieder von Gemeindeleitungen und den Frauenorganisationen, der Jugendlichen, den Eltern, LehrerInnen und DirektorInnen von den Schulen der 29 Gemeinden, die mit ACUDESBAL verbunden sind, einer unabhängigen Organisation, die vor einigen Jahren gegründet wurde, die die Gemeinden repräsentiert und in der als Fachleute und Führungskräfte verschiedene frühere Stipendiaten tätig sind, die das Ergebnis der Stipendienprojekte aus den früheren Jahren sind und die einen Studienabschluss erlangt haben.

ACUDESBAL wurde bereits aktiv bevor der Verfall im Bildungsbereich im aktuellen Jahr sichtbar wurde. Die Probleme für das Schuljahr von Januar bis November im Jahr 2018 bestehen in allen Bereichen, von den Kindertagesstätten angefangen bis zum Gymnasium, so auch einige Volksschulen. Da es keine regionale Lösung gab, wandte sich ACUDESBAL an die Zentralregierung, den zuständigen Minister, mit Unterstützung durch einen Parlamentarier, der sich bei uns ebenfalls im Stipendienprojekt befand. So konnte eine Zustimmung zu einer Versammlung mit den Verantwortlichen der Gemeinden und dem Bildungssystem der Zone des Bajo Lempa erreicht werden.

In der Ansprache des Ministers hat dieser mehrfach die großartige gemeindliche Organisation hervorgehoben, die er vorgefunden hat und er sagte, dass dies notwendig ist, um die Bildung in allen Bereichen zu verbessern.

Nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten erlangten Erkenntnisse:

a) Kindererziehung

  • Dank der internationalen Solidarität werden in der Zone 7 Kindertagesstätten unterhalten. Für das Jahr 2018 gibt es einen Konflikt zwischen den zwei Institutionen der Regierung die hier involviert sind, da eine Institution angekündigt hat, dass es ab Januar Änderung hinsichtlich des Alters der Kinder geben wird, die aufgenommen und entlassen werden und es keine Anpassung für die neue Aufnahme der Kinder im Alter von einem Jahr gibt, ebenso nicht in der Schule, um Kinder im Alter von 4 Jahren aufzunehmen. Der Minister war über diese Aussage sehr überrascht, weil seitens des Ministeriums eine solche Regelung nicht festgelegt wurde und er bat um das Schriftstück, das von dem salvadorianischen Institut für Kinder und Heranwachsende (ISNA) herausgegeben wurde.

 

b) Volksschule

  • Das gravierendste Problem, das man vorgetragen hat, ist, dass LehrerInnen in Schulzentren der Städte versetzt wurden und gleichzeitig auch die Lehrerstellen übergegangen sind, wodurch sich die Anzahl der LehrerInnen in verschiedenen Schulzentren verringert hat. Es wurde gefordert, dass die Lehrerstellen in den Schulen der Zone verbleiben und diese an das Personal gebunden bleiben, die hier am Bajo Lempa wohnen, um somit den Stellenschlüssel zu erhalten.
  • Ein Mitglied der Behörde, die die Zahl der Lehrerstellen entsprechend der existierenden Normen festlegt, wies auf die bestehende Schwierigkeiten für sie hin. Man hat in einer Versammlung als Übergangsreglung ein Angebot von 903 Stellen seitens des Ministeriums beschlossen und es gibt fast 70.000 Bewerbungen für diese Stellen.

Wortbeiträge des des Behördenleiters für das Lehrerpersonal über die Planstellen und der Direktorin für das Bildungsprogramm für Jugendliche und Erwachsene.

  • Ein anderes nationales Problem, wie auch für die Zone, ist, dass die Zahl der SchülerInnen in den vergangenen Jahren aufgrund der Bedrohungen durch die Jugendbanden zurück gegangen ist, und somit in einigen Klassen wenige SchülerInnen verblieben sind . Man hofft, dass sich die SchülerInnen-Zahl im Jahr 2018 wieder erhöhen wird.
  • Man sprach über die vorhandenen zwei Gemeinden am Unterlauf des Río Lempa, Los Lotes und Las Brisas, die über keine eigene Schule verfügen. Einige Kinder nutzen den Schultransport in die Gemeinde Octavio Ortiz La Canoa, aber es gibt darüber hinaus Kinder, die nicht eingeschult sind. Außerdem besteht nicht die Sicherheit, dass dieser Schultransport in den kommenden Jahren weiter durchgeführt werden kann, da es möglicherweise an einer internationalen Finanzierung fehlen wird.

 

c) Instituto Nacional Nueva Esperanza del Bajo Lempa

  • Die lokalen Verantwortlichen hatten den Bau des Institutes erreicht, um der Jugend am Bajo Lempa die Möglichkeit für diese Schulbildung zu geben. Aber aktuell befindet sich diese Schule aus verschiedenen Gründen auf einem niedrigen Niveau.
  • Ein Hauptproblem ist, dass drei LehrerInnen ihre Arbeit nicht wahrnehmen, deren Namen genannt wurden und aufgefordert wurden, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Gleichzeitig bot man ihnen an, dass sie durch vorhandenes Lehrpersonal der Zone ersetzt werden können, die bereit sind den Unterricht zugunsten der SchülerInnen und Gemeinden aufzunehmen.
    Diese Situation besteht aufgrund der Schwäche der Direktorin des Instituts und der fehlenden Zusammenarbeit mit der Direktorin des Bildungsbereiches auf der Ebene der Provinz Usulután, die anwesend war.

 

d) kostenloser Schultransport

  • wurde erwähnt und entsprechend gewürdigt, als eine wesentliche Stütze für die Bildung während der ganzen vergangenen Jahre. Deshalb forderte man auch die Verbesserung der Bildungsqualität in der Zone, die in den vergangenen Jahren nachgelassen hat. Auch hat sich die gute Zusammenarbeit, die in den vergangenen Jahren bestanden hat, verschlechtert und dies betrifft auch in anderer Hinsicht die internationale Solidarität.

 

Bis hier, die quasi Chronik des durchgeführten Treffens am 10. Oktober, die deutlich das Ambiente unserer Bildung wiedergibt und der organisierten Teilnahme aller beteiligten Sektoren, was ein Verdienst ist und ein Erfolg, der zu bewahren ist.

Wortbeitrag von Maricela, der Koordinatorin der Kindertagesstätten

und von Nelson, dem Präsidenten von ACUDESBAL und Unterstützer dieses Treffens.

Padre Angel spricht über die internationale Unterstützung der Bildung in der Zone des Bajo Lempa seit der Ansiedlung vor 26 Jahren

Vielen Dank an euch alle, solidarische Brüder und Schwestern, ohne die wir nicht dahin gekommen wären wo wir uns heute befinden.
Euer Bruder und Freund Angel AQ

Rundbrief Padre Angel (Juni 2017)

13. August 2017

Nachfolgend die Übersetzung des Rundbriefes von Padre Ángel aus Nueva Esperanza von Ende Juni 2017. Die späte Veröffentlichung ist urlaubsbedingt.

Dieser Brief ist für diejenigen, die gerne lesen. Er ist kurz. Er hätte doppelt so lang sein können, oder mehrfach lang. Ich grüße euch in diesem Monat der Hitze oder des Regens, je nachdem wo man sich befindet.

Die Zeiten ändern sich und wir uns auch. Die Ereignisse beeinträchtigen uns in tausendfacher Hinsicht, obwohl wir dies gelegentlich nicht bemerken. Aber die Ereignisse sind vorhanden. Sie geschehen.

Nun, dies ist ein philosophischer Beginn, weil es heute schwer ist von uns selbst zu sprechen, von mir selbst. Klar, man kann über Dinge reden, aber dahinter hat sich ein Bodensatz der Inkommunikation gebildet. Es ist besser zu schweigen. Oder, wenn man will, dann nur mit einigen Menschen, hauptsächlich mit Familienangehörigen, zu reden. Oder man redet über belanglose, unwichtige Dinge. Aber trotzdem, früher oder später weiß man alles. So ist das Leben in Nueva Esperanza am Bajo Lempa und ich nehme an, im größten Teil von El Salvador. Es ist das koloniale Erbe. Es ist eine Reaktion von Jahrhunderten in der Bevölkerung, um zu überleben. Und heute passiert es auch. Dies ist meine Einschätzung der Realität in der wir leben.

Wir sind sehr weit von den Zeiten des gemeinschaftlichen Lebens entfernt, das die RückkehrerInnen aufbauten, als sie ankamen und sich eine Lebensgrundlage schufen, so wie es noch vor nicht allzu langer Zeit gewesen ist. Die Ereignisse in den letzten Jahren, hinsichlich der eingetretenen tödlichen Gewalt in allen Bereichen dieses Landes, haben uns zu einem wortlosen Gruß an die anderen geführt, zu Oberflächlichkeiten. Nun, bisher ist diese Gewaltspirale nicht zuende, die bis in das intimste Leben von uns eingedrungen ist, sowohl bei den Erwachsenen, wie auch bei den Kindern. Die Angst mischt sich mit dem Überlebenswillen, die Gene reagieren und dominieren unseren Verstand, das Zusammenleben beschränkt sich auf Interessensgruppen über das Nachbarschaftliche, die Familien schließen sich zur Verteidigung ihrer Familienidentität zusammen.

Nachfolgend ein paar Fotos von Wandmalereien der Jugendlichen von Nueva Esperanza an der Brücke am Eingang zur Gemeinde (eine Replik des Institutes Vil-a-Romana de La Garriga in Barcelona)

Der Schmerz, die Erinnerung, das Trauma, der Streß keimen im Inneren der Menschen, besonders bei den Frauen, und verstärkt die Besorgnis der Männer. Die Stille explodiert in bestimmten Situationen und führt zu endlosen Erklärungen. Jeder überlebt sich selbst, in dem die besten Energien aktiviert werden. Die Hoffnung überwindet viele Schwierigkeiten. Es muss weitergehen. Man muss leben. Die Kinder haben eine würdevolle Zukunft verdient, mit weniger Stress, unbesorgter.

Wegzugehen war eine unmittelbare Lösung. Für tausende. Ganze Generationen sind weggegangen, so wie sie es konnten, wegen ihrer Unzufriedenheit und der Todesangst. Die, die gegangen sind, geht es ihnen besser? Sie sind Fremde, da wo sie sind. Eingeschlossen in weißen Wänden in einem Zimmer und einer mühevollen Arbeit, die niemals endet. Aber sie bewahren auch dort die Hoffnung und dies lässt sie überleben. Weit entfernt von der Todesangst die sie umgab, und dies bedeutet eine tiefgreifende Erholungsphase.

Weitere Fotos von der Bemalung der Brücke am Zugang zu Nueva Esperanza:

Und wir, die wir geblieben sind, werden wir überleben? Vorangehen, vorangehen ist der Weg und das Ziel der Menschen von hier, die sich hier niedergelassen haben.

Und auf diesem Weg treffen wir auf das Leben der Frauen, die die Gelegenheit bieten, uns im Vertrauen von tausenden von Schicksalsschlägen, Erklärungen, Gefühle, Zweifel und erlebten Geschehnissen zu erzählen. Und es entsteht wieder Hoffnung. Und mit den edelmütigen Jugendlichen, die weiterhin ihren Weg gehen, ohne dass ihnen das Ambiente wichtig ist, dass sie umgibt, weil sie sich darüber hinweg setzen. Und die jungen Männer die aufrecht bleiben und voran gehen, geschehe, was geschehe.

Und so gehen wir voran. Mit euch, mit unseren Freunden und Freundinnen aus den unterschiedlichsten Regionen. Mit dem guten lebendigen Gott, der uns begleitet und führt, in allen unseren Verwandlungen. Eine feste Umarmung, Angel AQ.

Rundbrief Padre Angel (Mai 2017)

13. August 2017

Urlaubsbedingt kommen wir erst jetzt dazu den Rundbrief von Padre Ángel aus Nueva Esperanza von Ende Mai 2017, in der entsprechenden Übersetzung, zu veröffentlichen.

Am gestrigen Abend, Sonntag den 21. Mai, haben wir uns erneut mit Menschen fast aller Gemeinden und Ansiedlungen unseres Bajo Lepa in Usulután getrofffen. Es war ein Zusammentreffen der armen Bevölkerung mit dem Märthyrer Oscar Arnulfo Romero zu einer Nachtwache ab sechs Uhr am Nachmittag/Abend. Man ging durch die Straßen zu den Häusern mit ihrem Altar der Gemeinde La Canoa Octavio Ortiz und zudem was danach folgte. Der leichte Regen beeinträchtigte sie nicht, auch nicht einige technische Probleme mit dem Strom, und ebenso nicht die Abwesenheit von Personen, denen man sich dort erinnerte. Jugendliche und Alte, Frauen und Männer, Chöre und kunstvolle Bilder vereinten sich in ihrer Identität um einige geschätzte Reliquien herum. Der Wortgottesdienst wurde von einem Familienvater geleitet und angeführt, zusammen mit einer Frau aus der Gemeinde und ich als Presbiter begleiete sie. Und die köstlichen Tamales mit Kaffee, die es zur späteren Abendstunde gab, dank der gemeinsamen Anstrengung der Gemeinde bei der gesamten Vorbereitung und Organisation der Veranstaltung. Es fand eine Nachtwache, verbunden mit einer Wallfahrt durch den Ort statt, repräsentierend die bäuerliche Identität in diesen Zeiten der sozialen Zerstörung, in jeder Hinsicht, einschließlich der Gewalttaten.

Vor einigen Tagen feierten wir den salvadorianischen Muttertag – der hier am 10 Mai stattfindet – und es scheint, dass das Land zu seiner Zärtlichkeit zurück gekehrt ist und zu einer Kommunikation bei Feierlichkeiten und im persönlichen Bereich. Dies wird sehr genutzt und dafür ist man dankbar, in diesem Ambiente in dem wir uns bewegen, bedrückend und voller Probleme. Zumindest an diesem Tag und für einige Stunden sind wir ganzheitlich Menschen. In unserer Art, in Familienfeiern, mit diesen und jenen Geschenken, in Glückwünschen, aber human und herzlich. Auffallend ist die Kraft der Mütter in diesem persönlichen und sozialem Bereich. Für diesen Feiertag werden im ganzen Land auch die Löhne weitergezahlt. Der Vatertag existiert auch, aber es ist kein Feiertag.

Während ich euch diese Zeilen schreibe – nun, derzeit kann ich den Brief nicht aufeinmal schreiben wie früher – informiert man mich darüber, dass ein weitere Mann erschossen worden ist, in der Nähe vom Wald von Nancuchiname, der sich entlang des Flusses in unserer Nähe erstreckt, etwa drei Kilometer nach Westen. Es hat bereits drei Tote durch Erschießen in den letzten Tagen gegeben. Es ist besser, über die Täter und Umstände nicht zu sprechen. Aber der Schatten der tötlichen Gewalt besteht weiterhin über uns, dem gesamten Bajo Lempa. Und so auch in anderen Teilen des Landes, in geringerer geografischer Ausdehnung. Andererseits sind, ohne Zweifel, die Tötungsdelikte in den Jahren 2015 und 2016 aufgrund der ergriffenen staatlichen Maßnahmen zurück gegangen.

Im Zusammenhang mit den Frauen die Mütter sind, so verstehe ich es, gibt es die Mai-Blumen, die María gewidmet sind, María, Mutter der Vermittlung und Schützerin. Alle Tage, in den überwiegenden Gemeinden oder Ansiedlungen der Zone, mit größerer und geringerer Beteiligung in dem einen oder anderen Ort, versammelt sich eine Gruppe Gläubiger, um den Rosenkranz zu beten. In Nueva Esperanza sind es fast alle Frauen, etwa 30, die sich daran beteiligen. Und sie gehen in verschiedene Häuser um dort zu beten, jeden Tag in ein anderes Haus, auf Bitten derjenigen, die dort wohnen, in der Weise, dass man sich abwechselt und jeder jeden besucht. Es ist eine Form von Treffen, des Zusammenlebens und einer effektiven Integration. Man beendet das Gebet mit einer kleinen Erfrischung seitens der einladenden Familie, als Zeichen der Teilhabe aller.

Gebet zur Mai-Blume vor einem Haus in Nueva Esperanza

Die Regenfälle haben in den Nächten des Monats Mai schon in den ersten Tagen begonnen. Wie in den besten klimatischen Zeiten mit den Regenfällen von Mai bis November. Dies ist gut für die Agrikultur und die Viehhaltung, in deren produktiven Ambiente wir uns befinden. Dies ist wichtig für das gesamte Land, denn so bewegen wir uns nicht auf eine Hungersnot zu, wie durch die Trockenheit in vergangenen Jahren. Schon seit drei Jahren haben wir diese Stabilität, was eine Segnung für den größten Teil der armen Bevölkerung in diesem Land ist. So bleibt weiterhin abzuwarten, was uns die Klimaänderung bringen wird, aber es scheint so, dass wir in diesem Jahr davon nicht betroffen sind.

Die Kooperative hat ihre Produktionserfolge übertroffen und hat über salvadoreanische und nicaraguensische Firmen ihren exelenten Maissamen angeboten. Der Großteil der Produktion kauft die aktuelle Regierung der Republik direkt auf, um sie als Agrar-Pakete an die Bauern zu verteilen, die dadurch eine garantiert gute Ernte erlangen. Es sind dutzende Männer und Frauen, die aus anderen Gemeinden kommen, um auch im Sommer, außerhalb der Regenzeit, zu arbeiten, wenn es wenig Arbeit auf den Feldern gibt und an einigen Orten sogar Hunger herrscht. Außerdem gibt es gute Ergebnisse in den anderen landwirtschaftlichen Produktionsbereichen, wie dem Zuckerrohr und der Viehzucht, einschließlich dem Milchverkauf an Firmen, die kommen, um die Milch abzuholen, die teilweise zu ihrer besseren Konservierung behandelt ist.

Die Agro-Ingenieure Alfrede und Alirio, von der Gemeinde Nueva Esperanza, die die landwirtschaftliche Produktion der Kooperative leiten und betreuen.

 

Die Maisernte

Ich schicke euch nicht von all den Dingen, über die ich berichte, Fotos. Die Zeit der Buchstaben, die Galaxis Gutenberg, lebt bei mir weiter und mit mir. Und man bittet mich weiterhin, um diese Briefe der Hoffnung, bezogen auf den Namen der Gemeinde in der wir leben, Nueva Esperanza – und ich schreibe in diesen Tagen und schicke sie euch, einmal mehr mit der grössten Zuneigung und Freundschaft die möglich ist. Und dass ihr wisst, dass ich lediglich aus Vorsicht und Überlebenswillen nicht von anderen Ereignissen hier schreibe. Angel AQ.

Rundbrief Padre Ángel vom 05-02-2017

15. Februar 2017

Unter dem 05. Februar 2017 hat uns ein neuer Rundbrief von Padre Ángel erreicht. Er berichtet u.a. über die Situation nach dem Massaker vom 06. Oktober 2016 in Nueva Esperanza, dessen Auswirkungen und die langsame Erholung von diesem Trauma. Als wir im Dezember 2016 in Nueva Esperanza waren, kamen wir zwei Mal mit Padre Ángel zusammen und sprachen mit ihm über verschiedene Dinge, so auch über die Auswirkungen des Massakers. Nachfolgend die Übersetzung des Briefes von Padre Ángel.

Für unsere befreundeten Menschen von Nueva Esperanza und des Bajo Lempa:

Sonntag, 05. Februar 2017

Verschiedene Freunde und Freundinnen, geografisch weit entfernt, doch persönlich sehr nah, haben ihr Interesse daran geäußert, dass ich mit den Briefen über die Gemeinde – und der Zone und einschließlich des Landes hier – fortfahre, damit sie weiterhin über den Fortgang hier informiert sind. Jene Briefe, die ich in den vergangenen Jahren geschrieben und versandt habe, wie die Schwalben von Bécquer, wird es nicht mehr geben. Aber aufgrund der engen Freundschaft mit euch, werde ich versuchen, euch etwas aus dem Leben von hier zu übermitteln.

Dass es keine Briefe mehr geben wird, wie in der Vergangenheit, sage ich, weil ein wichtiger Bestandteil der ersten Jahre nicht mehr vorhanden ist: die Arglosigkeit. Der Glaube, dass das Leben so ist, wie es sich bei uns zeigte, frisch und offen für diejenigen, die es annahmen, ist verschwunden von unserem Horizont. Es waren Briefe wie aus der Kindheit und des Heranwachsen … bis man die Jungfräulichkeit verloren hat. Und man sieht die Dinge nicht mehr in der Weise, wie man sie früher sah.

Die Gewalt in den letzten Jahren ist mit aller Kraft in unsere Realität eingedrungen, bis in unsere Häuser und Herzen. Jetzt steht die Vorsicht im Vordergrund, auf der Hut sein vor möglichen Dingen, die neben dem Alltäglichen eintreten können. Und auch die Zurückhaltung in dem was man jemanden sagt, was man gesehen hat oder weiß. Man achtet sehr darauf mit wem man redet, den Ton den man anschlägt, auf mögliche andere Zuhörer. Und auch auf das, was man schreibt. Auch denkt man daran, was man auf seinem Laptop gespeichert hat und das evtl. ausgespäht werden kann und andere für sich ausnutzen können, die wir nicht kennen.

Das zuvor geäußerte ist eine Beschreibung der persönlichen und sozialen Situation in der wir leben. Es ist meine vorrangige Mitteilung für alle unsere Freunde und Freundinnen, die uns zuhören wollen, in diesem Fall es lesen wollen. Ich will damit sagen, es ist etwas mehr als die Präsentierung eines Briefes oder eine Rechtfertigung des Fehlens von ihnen seit einer längeren Zeit. Sie reflektieren die Realität in der wir leben, auch wenn sie etwas tiefer gehend sind.

Nach der sozialen Katastrophe, bei der fünf Menschen gewaltsam zu Tode kamen und deren Ausführung präzise erfolgte, wie man weiß, geschehen am vergangenen 06. Oktober, hat sich die Gemeinde Nueva Esperanza von diesem kollektiven und persönlichen Trauma erholt. Bereits seit Januar haben die Frauen, die Schlafprobleme aufgrund der Ereignisse hatten, ihren täglichen Schlaf zurückgewinnen können. aber es gibt junge Frauen, die sich von ihrem Trauma noch nicht erholt haben und weiterhin ihr Bett im Elternschlafzimmer haben müssen. Die jungen Männer präsentieren ihren robusten Anschein, wie die tiefe Traurigkeit, obwohl die Gespräche und die Aktivitäten freudige Elemente enthalten, auch wenn es darum geht, der Belastung zu entgehen und der inneren Betroffenheit durch das tragische Geschehen in jener Nacht.

mit Padre Ángel beim Mittagessen im Haus von Soledad Guardado in Nueva Esperanza

mit Padre Ángel beim Mittagessen im Haus von Soledad Guardado in Nueva Esperanza

Und außer denen, die hier bleiben, gibt es eine wilde Flucht von dutzenden von Personen, Jugendlichen, Kindern in ihrer Mehrzahl, die bereits gegangen sind, so wie bei Vögeln, die sich erschrocken aufgrund eines lauten Knalls in der Nähe, erheben. Sie begeben sich eilends in den Norden oder in andere nahegelegene Länder im Süden von Mittelamerika. Und auch in andere Teile von diesem Land, obwohl sie dort auch mit den gleichen Gewaltproblemen rechnen müssen. In diesen Tagen gingen die letzten und sie befinden sich vor den Toren ihres Zieles im Norden von Mexiko. Unter ihnen befindet sich eine Frau, die im siebten Monat schwanger ist und mit ihrer Tochter im Alter von vier Jahren, um ein Beispiel zu nennen. Und alle kennen wir die enormen aktuellen Veränderungen in diesen Tagen, hinsichtlich der Situation der Immigranten im Land des Nordens, auf das wir uns beziehen.

Beginnend mit dem aktuellen Jahr, dem Januar, hat auch das Schuljahr und der Universitätsbetrieb in El Salvador begonnen. Unsere Gemeinde ist durch die Schulzentren, die sie betreibt, sehr darin eingebunden: Kinderzentren, Schulzentren und das Gymnasium. Zu allen dreien kommen SchülerInnen aus anderen, nahe und weiter gelegenen Gemeinden, dank dem kostenfreien Schulbustransport und dem Transport für die Vorschule, der seit vielen Jahren besteht. Es ist erreicht worden, den Anstieg der Zahl der Kinder, die in den vergangenen Jahren nicht mehr zur Schule kamen, zu stoppen und es ist uns gelungen, dass ein großer Teil dieser Kinder wieder den Unterricht besucht.

Im gesamten Land sind die Schulanmeldungen zurück gegangen. Es gibt Familien, die es vorziehen, ihre Kinder aus Sicherheitsgründen im Haus zu behalten, die sie zuvor in die Schule schickten. Die Jahre 2015 und 2016 waren hinsichtlich der Gewalt in Zusammenhang mit der jungen Bevölkerung fürchterlich. Aber in diesem Jahr 2017, nach dem Einsetzen des Regierungsplanes zur Sicherheit der Bevölkerung im vergangenen Jahr, scheint es so, dass sich die Dinge gemäßigt haben und es zu einer Beruhigung in vielen Bereichen von El Salvador gekommen ist. In unserem Bajo Lempa ist dies zu spüren. In den Messen, die ich in verschiedenen Orten der Zone zelebriert habe, hörte ich häufig den Dank an Gott, dass man nun in Ruhe leben kann, so wie es in den letzten zwei oder drei Jahren, je nach Lokalität, nicht möglich war.

Die Teilnahme am Schulunterricht ist vielleicht das beste Gegenmittel, um zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche sich in die Welt der Jugendbanden oder Maras begeben, wo sie später nicht mehr heraus kommen. Aber es gibt auch andere Methoden und ich kann euch versichern, dass wir alle darin große Anstrengungen unternehmen: Familien, Schulzentren für alle Altersgruppen, Polizei, Gemeindeleitungen, nationale und Internationale Hilfs- und Solidaritätsorganisationen, Kirchen. Nun ja, alle sind wir darin bemüht, jeder in seinem Aktionsbereich, um Strategien und praktische Maßnahmen für Frieden und Zusammenleben zu vertiefen. Ich selbst arbeite darin in einigen Bereichen.

Die Kooperative von Nueva Esperanza ist weiterhin stark, trotz der ökonomischen, sozialen und auch nationalen politischen Schwierigkeiten. Von der Kooperative zu berichten würde alleine einen ganzen Brief füllen. Ich beschränke mich auf die Erwähnung.

Treffen mit Padre Ángel im Haus von Mirna

Treffen mit Padre Ángel im Haus von Mirna und Roberto in Zacatecoluca

Aber ihr müsst wissen, dass eines unserer größten Stärken die Einheit zwischen kommunaler und familiärer Ökonomie und Organisation ist. In der Hinsicht, dass wir einen Traum erlangt haben, den wir von Anfang an hatten: das Leben in Gemeinschaft. Und dies besteht bereits seit 26 Jahren. Und meine Aufgabe ist gewesen, ihr Bewacher zu sein, der vor Gefahren und Irrwege warnt, die es in diesem Weg geben kann, so wie der Prophet Ezequiel es uns mitgeteilt hat und ich habe so gehandelt und selbst heute, in dem ich euch schreibe, handele ich in diesem Sinne. Klar, die Formen sind unterschiedlich: in einer Stimme für die ganze Gemeinde oder aber auch fast im Geheimen. Das Leben in Gemeinschaft ist ein plus, etwas mehr als das persönliche und familiäre Leben mit seinen enormen Wert, sowohl emotional, wie auch real.

Von meinem persönlichen Leben wissen einige von euch sehr viel; andere weniger. Ich habe euch bereits gesagt, dass es für mich wie ein offenes Kloster ist. Es ist wie ein kleines Paradies. Mein menschliches Leben ist verbunden mit dem der Gemeinde und auch mit allen Lebenden, den Tieren und Pflanzen, die uns in dieser ländlichen und bäuerlichen Gemeinschaft begleiten. Und ganz tief kann ich dieses große Geschenk genießen, ein Leben verbunden mit Jesus in Gott zu leben – der Apostel Paulus nannte es „mit Jesus in Gott“, wobei er sich auf die Kreuzigung und Auferstehung bezieht -. Und was soll ich euch noch darüber hinaus erzählen? Nun, so bin ich glücklich.

Und über dieses Internetsystem verfolge ich täglich die Situation in der Welt, was ich immer gemacht habe, eines meiner hauptsächlichen Beschäftigungen und Vergnügen. Vor einigen Tagen versammelten sich mit mir etwa 30 Menschen hier, Männer und Frauen, um über das Ereignis Trump zu reden, das bei uns auch ein Thema ist, insbesondere hinsichtlich der Migration, die uns direkt trifft und außerdem stellt es einen bedeutsamen Wechsel dar, der weltweit seine Auswirkungen hat. Alle waren mit diesem Treffen zufrieden und mit dem Bedürfnis, dieses Treffen alsbald erneut durchzuführen. Ich weiß nicht, ob wir dies offen für alle machen können, nun, es müsste in seiner Realisierung etwas verändert werden. Dies war ein Treffen unter erweiterten Freunden. Wir werden sehen. Darin besteht auch eine kleine Gruppe.

Ich hoffe, dass ihr alle gut motiviert seid und die beste Zuneigung zu euren Lieben besteht. Achtet auf euch und bis zum nächsten Mal.
Euer Bruder und Freund Angel Q

Guter Verlauf der Projekte

13. Januar 2017

Für Dezember 2016 hatten wir mit unserer Projektpartnerin vor Ort, Gloria Núñez, vereinbart, uns am 17.12. mit den LehrerInnen der Schule in Amando López zu treffen und am 18.12. nahmen wir an der Abschlussveranstaltung der Kindertagesstätte in Nueva Esperanza teil, mit einer anschließenden Zusammenkunft mit den Erzieherinnen. Außerdem nutzten wir unseren Aufenthalt in El Salvador, um mit Victor Núñez zu sprechen, der eine Krankenpflegerausbildung macht, finanziert mit einem Stipendium der Eine-Welt-Gruppe Wesel. Es ist das letzte Stipendium, das noch finanziert wird. Weiterhin sprachen wir auch mit Karla Flores, die am Wochenende im Instituto von Nueva Esperanza Englisch-Unterricht erteilt. Ihre Arbeit wird ebenfalls von der Weseler Gruppe finanziert (ca. 1.700 € pro Jahr).

Neben diesen Besuchen der Projekte haben wir uns zusammen mit Alfredo (Vorsitzender der Kooperative) und Alirio (früherer Vorsitzender der Kooperative) die Maisaussaat auf den Feldern der Kooperative angesehen. Darüber hinaus besuchten wir auch einige langjährige Freundinnen und Freunde in Nueva Esperanza. Gemeinsam mit der Familie Núñez feierten wir in Zacatecoluca Weihnachten. Zwei Wochen haben wir uns in Guatemala aufgehalten, wo wir Lilian Núñez und ihre Familie besucht haben und mit ihnen auch touristische Ausflüge unternahmen. Den Rest des Beitrags lesen »

Nach drei Jahren wieder in El Salvador

14. Dezember 2016

Letztmalig waren wir im Dezember 2013 am Bajo Lempa. Durch die Sozialen Netzwerke waren wir aber weiterhin mit den Menschen dort, insbesondere mit den Projektverantwortlichen vor Ort, in regelmäßigem Kontakt. Aber sicher, einen persönlichen Kontakt kann dies nicht ersetzen.

Am kommenden Samstag, 17.12.2016, werden wir uns, zusammen mit unserer Projektverantwortlichen in El Salvador, Gloria Núñez,  mit dem Lehrerpersonal der Schule in Amando López treffen. Den darauf folgenden Tag werden wir in der Kindertagesstätte in Nueva Esperanza verbringen. Dort findet der Jahresabschluss statt. Anschließend, nach dem Mittagessen, werden wir mit dem Personal über ihre Arbeit sprechen.

Neben diesen projektbezogenen Treffen haben wir auch eingeplant, einige Freunde und Freundinnen in Nueva Esperanza zu besuchen, dazu gehören Padre Angel, Soledad, Conchita, Alfredo, Tica, Sonia, etc.

Unser Aufenthalt am Bajo Lempa wird diesmal nur kurz sein, was mit der prekären Sicherheitslage zusammen hängt. Aus diesen Gründen verläuft unsere „El Salvador-Reise“ diesmal vollkommen anders, als in den letzten (mehr als) 20 Jahren.

Wir werden über den Verlauf unseres Besuch an dieser Stelle noch berichten.

Nueva Esperanza: Gemeinde unter Schock nach 5-fachem Mord

22. Oktober 2016

Seit dem die Jugendbanden (Mara) in El Salvador auch in den ländlichen Bereichen agieren und dort auch Strukturen aufbauen konnten, ist es am Bajo Lempa in den vergangenen drei Jahren zu vielerlei Erpressungen mit Morddrohungen und auch zu zahlreichen Morden gekommen. Ein „Grund“ für einen Mord ist schon die Tatsache, dass man Jugendliche kennt, oder mit ihnen verwandt ist, die der „gegnerischen“ Jugendbande angehört, oder, dass man unter Verdacht steht, einer gegnerischen Jugendbande Informationen zu liefern, nur weil man in einem Dorf lebt, das von der gegnerischen Bande kontrolliert wird. In den ganzen Jahren war es in Nueva Esperanza nicht zu Morden gekommen, mit Erpressungen und Drohungen waren jedoch eine Reihe Menschen weiterhin konfrontriert. Im ersten Halbjahr 2016 hatte sich die Situation für die Menschen am Bajo Lempa sogar beruhigt. Und seit Juli 2016 hatten die Menschen in Nueva Esperanza das Gefühl, wieder in Ruhe und ohne Angst leben zu können.

die fünf Ermordeten

die fünf Ermordeten (Quelle: Noticias Menotty Periódico Digital)

Doch dies änderte sich in den frühen Morgenstunden des 5. Oktober 2016 in dramatischer Weise. Schusssalven rissen die Menschen gegen 2.30 Uhr aus dem Schlaf. Maskierte Personen hatten eine Frau und vier Männer (Marta Isabel Gómez – 29 Jahre, Jimmy Osmar González – 23 Jahre, Julio Pérez – 19 Jahre, José Joaquín Benítez – 26 Jahre und José Aníbal Argueta – 46 Jahre) aus ihren Häusern geholt und dann unmittelbar, noch in direkter Nähe ihrer Häuser, erschossen. Warum dies geschah ist unklar, ebenso, wer die Mörder waren (es könnten Mitglieder von einer Jugendbande gewesen sein, aber auch Mitglieder einer Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt haben, angebliche Mara-Mitglieder umzubringen, um somit dieses Problem auf ihre Art „zu lösen“) Andererseits ist auch bekannt, dass es in El Salvador Kräfte gibt, die ein Interesse daran haben, dass die Menschen die Ansiedlungen am Bajo Lempa verlassen, um das Gebiet für Tourismusobjekte zu nutzen. Egal, wer die Täter waren, diese Morde, aber auch die Erpressungen und Morddrohungen, haben bereits in den vergangenen Jahren und jetzt aktuell dazu geführt, dass sich eine Reihe von Familien genötigt sahen und sehen, den Bajo Lempa zu verlassen. Und diejenigen, die bleiben, leben dort mit der enormen Angst und der Frage „Werde ich der/die Nächste sein?“. Den Rest des Beitrags lesen »

Rundbrief Padre Ángel vom 23.05.2016

26. Juli 2016

Unter dem 23. Mai 2016 berichtet Padre Ángel aus Nueva Esperanza über die Feierlichkeiten am Bajo Lempa zu Ehren des ermordeten Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero anlässlich der Seligsprechung. Urlaubsbedingt erfolgt die Veröffentlichung dieses Textes auf unserer Seite mit zweimonatiger Verspätung.

 

Vom Bajo Lempa, Usulután, El Salvador, Mittelamerika

Von Angel AQ, Nueva Esperanza, 23. Mai 2016

Liebe Freunde und Freundinnen,

da wir in einer Zeit der Bilder und nicht der Buchstaben leben, übersende ich euch heute diesen Brief mit einigen Fotos und den dazu gehörigen Kommentaren von aktuellen Ereignissen hier. Ich denke, dass über diesen Weg ein etwas engerer Kontakt besteht und in dieser Art die Hoffnung am besten vermitteln können. Den Rest des Beitrags lesen »


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